Das Seelisbergseeli – offiziell Seelisbergsee oder Seelisbergersee, auf der Landeskarte schlicht als Seeli bezeichnet – gehört zu den schönsten Bergseen der Zentralschweiz. Eingebettet unterhalb des Dorfes Seelisberg im Kanton Uri liegt der kleine Voralpensee auf 738 Metern über Meer in einer geschützten Senke am steilen Nordhang des Niederbauen-Chulm. Trotz seiner überschaubaren Grösse von rund 18 Hektaren, einer Länge von etwa 800 Metern, einer Breite von 350 Metern und einer maximalen Tiefe von 37 Metern beeindruckt er mit seinem klaren Wasser und seiner ruhigen Atmosphäre.
Ein See mit verborgenem Wassersystem
Das Besondere am Seelisbergseeli liegt unter der Wasseroberfläche. Der See wird hauptsächlich durch unterirdische Quellen gespeist. Sein Wasser verschwindet anschliessend wieder im zerklüfteten Karstgestein und fliesst durch ein weit verzweigtes Höhlensystem Richtung Vierwaldstättersee. Zwischen dem Rütli und Bauen tritt es schliesslich unterhalb der Wasseroberfläche wieder aus – ein faszinierendes Naturphänomen, das bis heute nicht vollständig erforscht ist.
Beliebtes Ausflugsziel
Vor allem in den Sommermonaten zieht das Seelisbergseeli zahlreiche Besucher an. Am Nordufer befinden sich ein gemütliches Strandbad und ein naturnaher Campingplatz für Zelte. Ruderboote können gemietet werden, und da sich das Wasser schneller erwärmt als jenes des Vierwaldstättersees, zählt das Seeli zu den beliebtesten Badeseen der Region. Auch Hobbyfischer schätzen den ruhigen Bergsee und seinen Fischbestand.
Die Sage vom versunkenen Blumenfeld
Rund um die Entstehung des Seelisbergseelis erzählt man sich seit Jahrhunderten eine eindrucksvolle Sage.
Einst soll sich an der Stelle des heutigen Sees ein fruchtbares Blumenfeld befunden haben, das einem reichen und mächtigen Grundherrn gehörte. Der Besitzer galt als hartherzig und geizig. Eines Tages bat ein armer Wanderer um etwas Brot und Wasser. Doch der Herr verweigerte ihm jede Hilfe und verspottete ihn. Darauf sprach der Fremde einen Fluch über das Land.
Kurz darauf verdunkelte sich der Himmel, heftige Gewitter zogen auf und die Erde begann zu beben. Das prächtige Blumenfeld versank in den Fluten und an seiner Stelle entstand der See. Der Grundherr verlor seinen gesamten Besitz. Seither erinnert das Seelisbergseeli daran, dass Hochmut, Geiz und mangelnde Barmherzigkeit nicht ungestraft bleiben.
Die Sage könnte einen wahren Kern besitzen. Geologische Untersuchungen deuten darauf hin, dass der Wasserspiegel des Sees im Laufe seiner Geschichte mehrfach stark schwankte und Teile des heutigen Uferbereichs früher tatsächlich trockenes Land gewesen sein könnten.
Ein See, der beinahe zum Stausee wurde
Auch die neuere Geschichte des Seelisbergseelis ist spannend. Im Jahr 1916 plante man, den Isitalbach in den See umzuleiten und ihn als Speichersee für ein Wasserkraftwerk zu nutzen. Wegen des komplizierten unterirdischen Abflusssystems erwies sich das Vorhaben jedoch als technisch kaum beherrschbar und wurde aufgegeben. Während der Bauarbeiten war der Wasserspiegel zeitweise um rund zwei Meter angehoben worden. 1937 wurde der See wieder abgesenkt, nachdem sich gezeigt hatte, dass der höhere Pegel die Pflanzen- und Tierwelt im Uferbereich erheblich beeinträchtigte.
Heute präsentiert sich das Seelisbergseeli wieder als naturnaher Bergsee – ein Ort, an dem eindrucksvolle Landschaft, geheimnisvolle Geologie und überlieferte Sagen eine besondere Verbindung eingehen.

















