Manchmal sind es die einfachsten Erlebnisse, die am längsten in Erinnerung bleiben. Schuhe ausziehen, das kühle Gras unter den Füssen spüren, über Kieselsteine, Holz und Wasser laufen – und dabei den Blick über eine eindrucksvolle Alpenlandschaft schweifen lassen. Genau das erwartet Besucher am Härzlisee oberhalb von Engelberg.

Der kleine Bergsee im Wandergebiet Brunni ist längst mehr als nur ein idyllischer Rastplatz. Mit seinem Barfussweg, den spektakulären Ausblicken und der Nähe zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte der Schweiz verbindet er Naturerlebnis, Entschleunigung und Geschichte auf besondere Weise.

Ein herzförmiger Bergsee mit überraschender Geschichte

Der Härzlisee liegt auf rund 1.860 Metern Höhe unterhalb des Rigidalstocks im Brunni-Gebiet oberhalb von Engelberg. Obwohl er heute wie ein natürlicher Bergsee wirkt, entstand er erst im Jahr 2000 als Wasserspeicher für die Beschneiung der Skipisten.

Seinen Namen verdankt er seiner nahezu herzförmigen Gestalt. Inzwischen hat sich der kleine See harmonisch in die alpine Landschaft eingefügt und gehört zu den beliebtesten Ausflugszielen der Region. Direkt am Ufer befinden sich die Brunnihütte des Schweizer Alpen-Clubs (SAC), die Kräuterhütte sowie die Bergstation der Sesselbahn.

Der Kitzelpfad – Wellness für die Füsse

Die grösste Attraktion rund um den See ist der 220 Meter lange Kitzelpfad. Der Rundweg lädt Besucher jeden Alters dazu ein, die Schuhe auszuziehen und den Untergrund mit blossen Füssen zu entdecken.

Holz, Steine, Kies, Rinde, Wasser und Wiesen wechseln sich ab und sorgen für immer neue Sinneseindrücke. Was zunächst spielerisch wirkt, ist zugleich wohltuend für die Fussmuskulatur und fördert die Durchblutung.

Besondere Stationen machen den Rundweg zu einem kleinen Wellness-Erlebnis:

  • Im Kitzeltopf massieren warme Wasserstrahlen sanft die Füsse.
  • Im Chrüselitrog werden die Arme abwechselnd in warmes und kaltes Wasser getaucht – eine einfache, aber erfrischende Kneipp-Anwendung mitten in den Bergen.

Der Rundweg ist nahezu eben, dauert nur etwa zehn Minuten und eignet sich hervorragend für Familien mit Kindern ebenso wie für Wanderer, die sich nach einer Tour eine kleine Erholung gönnen möchten.

Picknick mit Alpenpanorama

Wer etwas länger bleiben möchte, findet rund um den Härzlisee ideale Bedingungen. Fünf Feuerstellen mit Sitzgelegenheiten laden zum Grillieren und Verweilen ein. Während Kinder am Wasser spielen oder den Barfussweg erkunden, geniessen Erwachsene die Ruhe und den Blick auf die umliegenden Gipfel.

Gerade an warmen Sommertagen entfaltet der Ort seinen besonderen Charme: Das Wasser glitzert in der Sonne, Alpenblumen säumen die Wege und über allem liegt die entspannte Atmosphäre der Engelberger Bergwelt.

Zwischen Natur und Spiritualität

Engelberg ist jedoch nicht nur für seine Bergwelt bekannt. Das Tal besitzt seit Jahrhunderten eine enge Verbindung zur religiösen Geschichte der Zentralschweiz. Nur wenige Kilometer vom Härzlisee entfernt liegt das berühmte Kloster Engelberg, während sich etwas weiter nördlich mit Einsiedeln einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte Europas befindet.

Zwischen diesen Orten lebt bis heute eine jahrhundertealte Tradition des Pilgerns – und mit ihr zahlreiche Legenden.

Die Engelweihe – eine Legende, die Europa bewegte

Zu den bekanntesten gehört die sogenannte Engelweih-Legende von Einsiedeln.

Der Überlieferung zufolge sollte im Jahr 948 die neu errichtete Klosterkapelle durch den Bischof von Konstanz geweiht werden. In der Nacht vor der Zeremonie hatte der Bischof jedoch eine Vision: Christus selbst sei, begleitet von Engeln, Aposteln und der Jungfrau Maria, vom Himmel herabgestiegen und habe die Kapelle bereits geweiht.

Als der Bischof am nächsten Morgen die Weihe vollziehen wollte, erschien ihm ein Engel mit den Worten:

„Bruder, halte ein! Die Kapelle ist bereits von Gott geweiht.“

Die feierliche Weihe wurde daraufhin nicht mehr durchgeführt.

Ob historisches Ereignis oder mittelalterliche Glaubenslegende – die Geschichte entfaltete eine enorme Wirkung. Die Benediktiner von Einsiedeln verbreiteten sie in ganz Europa. Tausende Pilger machten sich fortan auf den Weg in die Innerschweiz. Im 15. Jahrhundert sollen während des Engelweihfestes bis zu 130.000 Menschen Einsiedeln besucht haben – eine für die damalige Zeit kaum vorstellbare Zahl.

Auch heute wird das Engelweihfest jedes Jahr am 14. September gefeiert und erinnert an eine Erzählung, die den Wallfahrtsort über Jahrhunderte geprägt hat.

Ein Ausflug für alle Sinne

Der Härzlisee zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig die Bergwelt rund um Engelberg ist. Hier treffen Natur, Bewegung und Erholung auf gelebte Geschichte und alte Überlieferungen. Während der Kitzelpfad spielerisch alle Sinne anspricht, laden die umliegenden Berge zum Wandern ein. Gleichzeitig erinnern die nahegelegenen Klöster und Wallfahrtsorte daran, dass diese Region seit Jahrhunderten Menschen nicht nur wegen ihrer Landschaft, sondern auch wegen ihrer spirituellen Bedeutung anzieht.

Wer den Härzlisee besucht, erlebt deshalb weit mehr als einen schönen Bergsee. Es ist ein Ort, an dem sich alpine Natur, Familienerlebnis und die faszinierenden Geschichten der Zentralschweiz auf besondere Weise miteinander verbinden.

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