Mit 2342 Metern über Meer erhebt sich der Männlichen in den Berner Voralpen – ein Gipfel, der weniger durch extreme Höhe als durch seine spektakuläre Lage besticht. Zwischen Wengen und Grindelwald gelegen, gilt er als einer der eindrucksvollsten Aussichtspunkte im Berner Oberland.

Bequem auf den Panorama-Rücken

Von Wengen führt die Luftseilbahn Wengen–Männlichen, von Grindelwald die Gondelbahn Grindelwald–Männlichen auf rund 2230 Meter Höhe. Die Bergstationen liegen auf einem breiten Rücken südlich des eigentlichen Gipfels.

Von dort aus führt der sogenannte Royal Walk in etwa 30 Minuten auf den höchsten Punkt. Der Weg ist gut ausgebaut und belohnt mit einem der berühmtesten Alpenpanoramen der Schweiz: dem Dreigestirn aus

  • Eiger

  • Mönch

  • Jungfrau

Kaum ein anderer Ort bietet diese ikonische Szenerie in vergleichbarer Geschlossenheit.

Sommer- und Winterparadies

Der Männlichen ist Ausgangspunkt zahlreicher Wanderungen – etwa Richtung Kleine Scheidegg oder hinunter nach Wengen. Zu Fuss ist der Gipfel ebenfalls erreichbar:

  • Von Grindelwald in rund vier Stunden über eine Strasse

  • Von Wengen in etwa drei Stunden über einen steilen Bergpfad mit über 950 Höhenmetern auf kurzer Distanz

Im Winter erschliessen rund 20 Bahnen und Lifte das Skigebiet Kleine Scheidegg–Männlichen mit über 100 Pistenkilometern. Die Gondelbahn Grindelwald–Männlichen war bei ihrer Eröffnung sogar die längste Gondelbergbahn der Welt.

Obwohl benachbarte Gipfel wie das Lauberhorn oder der Tschuggen höher sind, trägt die gesamte Kette den Namen des Männlichen – ein Zeichen seiner landschaftlichen Dominanz.

Die Nellenbalm und die Sage vom Grindelwald-Wallispass

Hoch über Grindelwald, am Rand der Gletscherwelt, liegt die sagenumwobene Nellenbalm. Hier soll einst eine Kapelle gestanden haben – gewidmet der heiligen Petronella. Ein kleines Glöcklein trug die Inschrift “O Sta. Peternela, ora pro nobis”.

Lange erzählte man sich, von hier habe ein alter Passweg ins Wallis geführt. Doch historische Untersuchungen zeigen: Einen eigentlichen Gletscherpass hat es wohl nie gegeben. Die sichtbaren Wegspuren dienten vielmehr Hirten, Holzern und Jägern, die ihre Tiere auf hochgelegene Alpweiden wie Bäregg, Stieregg oder Zäsenberg trieben.

Warum entstand die Sage?

Im Mittelalter galt das Hochgebirge als unheimlicher Raum – bevölkert von Naturgewalten und, so glaubte man, dunklen Mächten. Wer sich in die Wildnis begab, suchte Schutz. Die Kapelle in der Nellenbalm dürfte weniger Reisenden ins Wallis gedient haben als vielmehr jenen, die in die Gletscherregion hinaufmussten:

  • Hirten mit ihrem Vieh

  • Bauern auf dem Weg zu entlegenen Alpen

  • Jäger, die dem Wild folgten

Vor dem Aufstieg hielt man inne, bat um Segen und Schutz. Beim Abtrieb im Herbst kehrte man zurück, dankbar, wenn Mensch und Tier die Gefahren überstanden hatten.

Als die Kapelle in der Reformationszeit verschwand und der Gletscher um 1600 weit ins Tal vorrückte, blieb nur die Erinnerung. Aus dieser Erinnerung wuchs eine Erzählung: von einem geheimnisvollen Übergang ins Wallis, von Wallisern, die herübergekommen seien – und von einem Weg, der vielleicht nie wirklich existierte.

So verbindet der Männlichen nicht nur spektakuläre Gegenwart mit alpiner Freizeitkultur, sondern auch Landschaft mit Legende. Zwischen klarer Aussicht und sagenhafter Vergangenheit zeigt sich hier, wie eng im Berner Oberland Natur und Erzähltradition miteinander verflochten sind.

 

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