Wer von Schwyz ins Muotathal fährt, ahnt kaum, welch wildes Schauspiel sich kurz nach dem Weiler Ried am linken Strassenrand auftut: Der Bettbachfall stürzt sich hier mit donnerndem Getöse über 160 Meter in die Tiefe – ein verborgener Wasserjuwel, der vor allem nach starken Regenfällen oder während der Schneeschmelze in voller Pracht zu sehen ist.

Ein offizieller Parkplatz fehlt zwar, doch bei den GPS-Koordinaten 46.985493, 8.720010 befindet sich eine Art Garage oder Haltebucht, wo man das Auto für ein paar Minuten sicher abstellen kann. Von hier führt ein kleiner Pfad am rechten Ufer des Bettbachs entlang flussaufwärts – ein kurzer Spaziergang, der direkt an den Fuss des Wasserfalls führt.

Dort, wo der Bettbach in sprühenden Nebelfahnen in die Tiefe donnert, fühlt man sich klein und lebendig zugleich. Das Wasser tobt über moosige Felsstufen, und in der Gischt tanzen Sonnenstrahlen wie flüssiges Silber. Wer genau hinhört, meint vielleicht sogar das Echo alter Sagen im Rauschen zu vernehmen – denn das Muotatal ist nicht nur ein Ort der Natur, sondern auch der Mythen.

Der Teufelssprung von Häsingen – Spuren im Stein

Zwischen Schwyz und Muotathal, dort wo die Strasse sich durch enge Kurven windet und die Felsen dicht an den Asphalt rücken, liegt ein unscheinbarer Stein am Wegrand – und doch erzählt er von einer Geschichte, die älter ist als jedes Strassenzeichen.

In der Gegend von Häsingen, gegenüber dem Selgis, ruht eine grosse Steinplatte, in die seltsame Spuren eingegraben sind: vier Hufe und zwei menschliche Füsse. Die alten Muotathaler wussten zu berichten, was sich hier einst zugetragen haben soll.

Einst – so heisst es – trieb der Teufel einen Mann zu Pferd über die steilen Felswände des Muotatals in den Abgrund. Nach manchen war es Sankt Sigismund selbst, der spätere Kirchenpatron des Tals. Doch Gottes Hand schützte den Reiter in der Stunde der Not. Statt in die Tiefe zu stürzen, wurde er sanft zur Erde getragen – und dort, wo Pferd und Reiter aufprallten, blieben die Spuren wie eingebrannt zurück.

Bis heute kann man die Malzeichen sehen: ein steinernes Zeugnis himmlischer Rettung – oder höllischer Wut. Je nachdem, wen man fragt.

 

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