Hoch über dem Totentäli nahe Winterthurs thront die Ruine Alt Wülflingen. Der neulich erneut restaurierte Bergfried ragt 18 Meter über den Hügel hinaus und erbietet einen genussvollen Ausblick über Winterthur, die Töss und bis hin zu den Alpen.

Wülflingen war bereits im ersten Jahrtausend durch eine alemannische Grafschaft bekannt. Wann der Bergfried errichtet wurde, ist jedoch ungeklärt. Sicher ist, dass die Burg Alt Wülflingen bereits im 11. Jahrhundert bestanden haben muss. Davor soll eine wenig ausgebaute Fluchtburg auf dem Hügel gestanden haben. Besitzer waren später unter anderem die Grafen von Habsburg und die Grafen von Kyburg, welche auch den heute noch erhaltenen Bergfried erbauten. Die restlichen Teile der Burg sind jetzt nur noch schemenhaft zu erkennen oder gänzlich verschwunden.

Erst vor wenigen Tagen wurde der Aussichtsturm wiedereröffnet. Es führen 76 Treppenstufen zur Turmspitze, wo sich eine tolle Aussicht ausbreitet.

Legende

Gleich zu Beginn des Waldweges, der durch das nahegelegene Totentäli führt, stimmt eine Informationstafel die Spaziergänger auf den mythenreichen Waldweg ein. Drei Vorschläge werden angeboten, die dem Totentäli zu seinem Namen verholfen haben könnten. Erstens sollen die Bürgerinnen und Bürger von Neuburg nach einem Streit mit dem Wülflinger Pfarrer ihre Toten dort begraben haben; dieser habe den Beitrag für die Friedhofsbenützung auf 20 Gulden heraufgesetzt, was den Neuburgern viel zu teuer war.

Zweitens sei gemäss einer Nachricht im «Landboten» vom 7. April 1923 eine Leiche mit mehreren Stichverletzungen an einem der Weiher gefunden worden.

Viel Wahrscheinlicher ist aber die dritte Hypothese: Der Name soll auf geo­lo­gische Gegebenheiten zurückgehen und sich von «totem Fluss» oder «totem Wasser» ableiten. Denn nach Ende der letzten Eiszeit vor rund 13000 Jahren flossen die Schmelzwasser von Gletschern durch das Totentäli.

Lage und Anfahrt

Die Burg ist zu Fuss von der Wespi-Mühle nahe der Tössbrücke von Winterthur Richtung Brütten zu erreichen. Ein steiler Wanderweg führt über einige Treppen bis hoch zur Burg. Der Wanderweg durchquert in mehreren Kilometern ein hübsches Naturschutzgebiet mit einigen Weihern und lädt zum weitermarschieren oder verweilen ein. Der Name des Totentäli leitet sich von "Totem Fluss", Totem Wasser", "liegendem Wasser" ab, weil nach dem Rückzug des Rheingletschers ein Trockental blieb. Vielleicht entstand der Name aber auch von der Grabesstille her, die diese Naturoase zwischen Ebnet und Chomberg prägt. Die in den 1970er-Jahren erneuerten Weiher beherbergen nach wie vor eine vielfältige Flora und Fauna

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